M16 - Adlernebel

Die Mitglieder der Fachgruppe Astrofotografie haben sich zum Ziel gesetzt, die zahlreichen, von Auge meist nicht sichtbaren astronomischen Objekte abzubilden und deren Natur sichtbar zu machen. Unterschiedliche Aufnahmeverfahren oder Vergleiche mit früheren Aufzeichnungen liefern wertvolle Erkenntnisse über die Eigenschaften der Objekte und deren zeitlichen Veränderungen. Nebst der Anwendung bewährter Aufnahme- und Bildbearbeitungstechniken engagieren sich die Mitglieder auch in der Evaluation neuer Methoden. Dank der ästhetischen Veranschaulichung und Sichtbarmachung der astronomischen Objekte tragen die Mitglieder der Fachgruppe wesentlich dazu bei, das Verständnis über Natur und Kosmos in der breiten Bevölkerung zu verbreiten und zu stärken.

Website der Fachgruppe: www.astrofoto.ch

Moderator: sterngucker

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M16 - Adlernebel

Beitrag von peter » 04 Jun 2019, 02:32

Hallo Zusammen

Die letzten Nächte waren klar. Ich habe die Zeit für ein Foto von M16 genutzt. :)
Das Bild ist erst ein Versuch.
M16_RGB_small.png
Es sind viele interessante Details zu sehen.
Was mir nicht gefällt: das Bild wirkt insgesamt zu rot, es fehlen blaue Farbtöne.

Ich habe mit PixInsight die Filter R, G, B zu einem Bild kombiniert und die Farben kalibriert. Anschliessend mit ArcsinhStretch das Bild nicht-linear gemacht.

Aufnahmedetails:

Teleskop: C8 mit "Reducer" (f=1/6, D=20cm)
CCD: AST8300.
Autoguider (bei H-Alpha): MGEN2
RGB: jeweils 16 Aufnahmen a 5 Minuten pro Filter (also total 4 Stunden).
In der weiteren Verarbeitung muss ich noch L (1h) und H-Alpha (2.5h) hinzufügen.

Gruss, Peter
8" SCT, Canon 700D unmodifiziert, AST8300B CCD

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Re: M16 - Adlernebel

Beitrag von peter » 06 Jun 2019, 20:29

Als nächsten Schritt habe ich alle Aufnahmen, also L, R, G, B und Ha aufaddiert und das Summenbild geschärft wieder mit dem RGB Bild "eingefärbt". Das Ergebnis ist deutlich klarer. In dem Bild gibt es keine Region ohne Nebel.
LRGB.png
8" SCT, Canon 700D unmodifiziert, AST8300B CCD

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Re: M16 - Adlernebel

Beitrag von B4silio » 25 Sep 2019, 02:32

Wow, sehr schön!

Ich liebe die Menge an Nuancen und Farben, die du mit den 4+1 Kanälen aufgenommen hast!

Ich habe es letztes Wochenende bei M16 versucht (unveränderter Canon 5D3 und nur ~2h Exposition von meinem Balkon in der Stadt) und obwohl man die Formen der "Pillars of creation" sieht, fehlt das Rot des größeren Nebels fast vollständig. Vielleicht kann es helfen, einfach nur eine Menge Integrationszeit zu addieren, aber ich habe das Gefühl, dass das Hinzufügen des H-alpha das Bild zum Leben erweckt.

BTW, sehe ich ein kleines Bit des Komas auf den oberen linken Sternen? Ist es Kollimationsprobleme oder einfach ein Crop an der Ecke? (Ich habe viele Koma- oder nicht-flache Feldprobleme, die ich immer noch versuche zu lösen, darum bin ich neugierig, wie man sie umgeht!)
Eagle_1h_56m.png
RC 8", HEQ 5+, Canon 5D3 (unmodifizierte), ASI 183 MC-Pro

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Re: M16 - Adlernebel

Beitrag von peter » 25 Sep 2019, 19:32

Danke, dein Bild ist aber auch nicht schlecht.

Ein Teil vom H-Alpha wird bei deiner Kamera vom Infrarot-Sperrfilter geblockt, wie du sicher weisst. Da hilft langes Belichten leider auch nicht - ich habe mit meiner Cannon 700D (unmodifiziert) auch solche Bilder gemacht. Durch mehr Licht holst du nur schwächere Details raus und verringerst das Rauschen. Neu verwende ich eine CCD und da habe ich keinen Infrarot-Sperrfilter. Das sieht dann schon besser aus, aber auch hier wird es nicht so richtig rot. Erst mit dem H-Alpha Filter habe ich diesen Kontrast bekommen.

Ja, das Koma sehe ich auch in meinen Bildern. Bei mir liegt es daran, dass mein C8 nur die günstigere Variante ohne EdgeHD ist. Mit dem EdgeHD sollen die Sterne bis zum Rand scharf sein. Voraussetzung ist ausserdem, dass der Abstand vom Teleskop zur Kamera exakt eingestellt ist. In der Regel braucht man dazu aber noch etwas Zubehör. Bei mir stimmt der Abstand deshalb noch nicht ganz - aber der wird erst richtig wichtig, wenn die Optik besser ist (mit EdgeHD). Versuche mit unterschiedlichen Abständen haben nicht den riesigen Unterschied gemacht. Daher denke ich nützen Abstandskorrekturen im Moment eher nicht.

Weiter könnte es auch noch an der Justierung liegen. Alle optischen Elemente müssen mittig auf der optischen Achse liegen und dürfen nicht verkippt sein. Mit einem Sterntest sehe ich nahezu perfekte Kollimation. Es ist etwas schwierig hier noch zu verbessern. Beim letzten Versuch war eine Kollimation wegen zu schlechtem Seeing dann nicht sinnvoll. Zudem scheint etwas verkippt zu sein - vielleicht der Hauptspiegel wegen der Fokusierschraube. Das Model hat auch keine Möglichkeit den Spiegel zu fixieren.

Ja und last-but-not-least, habe ich keinen per Computer ansteuerbaren Fokuser sondern fokussiere von Hand - einmal am Anfang der Nacht - und lasse es dann die ganze Aufnahmeserie so laufen.

Probleme mit flachen Bild habe ich nicht, weil ich immer die üblichen BIAS, DARK, FLAT Korrekturen mache.
8" SCT, Canon 700D unmodifiziert, AST8300B CCD

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Re: M16 - Adlernebel

Beitrag von B4silio » 03 Okt 2019, 11:54

Hallo Peter!

Interessant, dass selbst bei einem CCD-Sensor, aber ohne Filter, diese Details noch nicht auftauchen. Das bedeutet, dass Filter je nach Art des DSO, das du fotografierst, wirklich wichtig werden. ("Duh", aber es ist sehr interessant, konkrete Beispiele zu sehen!).

Ich versuche auch immer noch zu verstehen, ob meine "Backfocus Distance" korrekt ist, aber ehrlich gesagt habe ich den Eindruck, dass die Resultate, die ich bekomme, wenn ich die richtige theoretische Länge des Imaging-Trains habe (105mm nach dem Flattener), schlechter sind, als wenn ich 4-5mm entferne. Und gleichzeitig sind die Ränder des Bildes immer schrecklich (Vignette, Staub, Lichtverschmutzung) oder die Bilder verschieben sich durch schlechte Guiding, so dass ich ohnehin grosse Crops machen muss.

Vielen Dank für deine Nachricht und Clear Skies!
RC 8", HEQ 5+, Canon 5D3 (unmodifizierte), ASI 183 MC-Pro

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Re: M16 - Adlernebel

Beitrag von peter » 06 Okt 2019, 18:33

Hallo B4silio

Vielleicht wird es klarer, wenn ich noch folgendes sage:

Wenn du einen roten Breitbandfilter verwendest, dann kommt natürlich auch genauso viel H-Alpha Licht in den Sensor wie bei einem schmalbandigen H-Alpha Filter. Zusätzlich aber noch sehr viel Licht von der künstlichen Himmelsaufhellung. Bei jeder Astrofotografie ist der Himmelshintergrund die Grenze, über die man nicht weit hinaus kommt. Man kann nur den mittleren Hintergrund (ohne Rauschen) abziehen und um das Rauschen zu reduzieren, muss man die Datenmenge erhöhen (mehr belichten). Eine Verbesserung um Faktor x bedeutet x hoch 2 mal so lange belichten. Also um 10 Fach besseres Signal zu bekommen, muss man schon 100 mal so lange belichten (oder ein 10 mal grösseres Teleskop verwenden, welches 100 mal so viel kostet).

Der H-Alpha Filter hilft, weil man bei ansonsten gleichen Bedingungen viel weniger Rauschen vom Himmelshintergrund bekommt.

Backfocus: vielleicht hast du nicht richtig gerechnet? Ich glaube ein herausragendes Aussengewinde darf man nicht mitrechnen, weil es zusammengesetzt nicht den Abstand verändert. Das könnte deine 4-5mm Differenz erklären. Wenn das Bild für dich bei einem anderen Abstand besser ist, dann bleib dabei! ;)

Gruss, Peter
8" SCT, Canon 700D unmodifiziert, AST8300B CCD

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